4. Mai 2017

Die sechste Ampel

In Wangen im Allgäu ist ein auf dem Gehweg verlaufender Radweg perfekt mit Ampeln ausgestattet. 

Allerdings fast zu perfekt. Beim Befahren bin ich auf die sechste Variante von Ampeln für Radfahrende gestoßen: Die Autoampel mit Radzeichen, die wie eine Fußgängerampel auf der anderen Seite der Fahrbahn steht.

Immerhin wird man als Radler auf dem Gehweg schon mal eingeübt. Hier zeigen Autoampel, Fahrradampel und Fußgängerampel gleichzeitig grün und nahezu gleich lang. Die Radampel in Größe einer Autoampel trägt dem Umstand Rechnung, dass Radler sich seit Anfang des Jahres nicht mehr nach Fußgängerampeln richten dürfen, auch dann nicht, wenn sie auf dem Gehweg radeln müssen, sondern nach den Autoampeln, wenn keine Radampel da ist. Ist hier da. Alles gut. Aber dann kommen wir an die nächste Kreuzung.


Hier geht es aus der Stadt raus und auch Lastwagen biegen ab. Gefährlich für Radler. Auch hier rolle ich auf eine Radampel zu, die neben der Autoampel hängt. Dann allerdings wundere ich mich, warum die für mich überhaupt gar nicht grün wird. Ich entdecke den Drücker am Masten. Aha: Sogar tagsüber muss ich hier für mich Grün anfordern. Wenn ich zum Drücker vorgerollt bin, kann ich allerdings die Radampel neben der Autoampel über mir nicht mehr sehen. Ja, Schit! Ich schiebe das Rad zurück.




Doch dann fällt mir auf, dass auf der Verkehrsinsel jenseits der Abbiegespur ebenfalls eine Radampel in der Größe einer Autoampel steht. Ja, was jetzt? Muss ich etwa dort noch mal mit Rot rechnen und halten? So ganz ohne Haltestreifen? Nein - erkenne ich -, sie steht dort wie eine Fußgängerampel auf der anderen Seite der von mir zu querenden Fahrbahn, um mir anzuzeigen, wann die Ampel über mir, die ich nicht sehen kann, grün wird.

Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, weil das ja völlig im Widerspruch steht zu der Platzierung von Radampeln, die keine Fußgängerampeln sind, und vergewissere mich, dass beide Ampeln (dem am Masten mit dem Drücker und die drüben) gleichzeitig grün werden.

Ist ja sinnig ausgedacht, fügt aber dem reichen Sortiment von Varianten von Ampeln für Radfahrende noch eine ziemlich unorthodoxe Variante hinzu: Die Autoampel mit Radzeichen in den Streuscheiben, die wie eine Fußgängerampel (ohne Fußgängerzeichen) auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgestellt ist. Woran erkennt man Fußgängerampeln? Daran, dass sie keine Gelbphase haben. Die hier hat aber eine. Großes Rätselraten. Entspricht ihre Aufstellung der StVO oder nicht? Es gibt ja auch für Autofahrer Situationen, wo sie einen Haltestreifen diesseits einer Einmündung haben, die Ampel aber jenseits an einem Fußgängerüberweg steht. Diese Situation finde ich als Autofahrerin eindeutig. Die Situation hier finde ich als Radfahrerin, die zum ersten Mal an die Stelle kommt, nicht eindeutig.

Warum eigentlich nicht? Weil ein Irrtum für mich hier sehr gefährlich werden könnte. Da ich die Ampel über mir nicht sehen kann, weiß ich nicht, ob die Ampel mir gegenüber gleich oder anders geschaltet ist, ob sie der Fahrbahn dahinter gilt oder der Fahrbahn davor. Eine solche Situation (Ampel auf Verkehrsteiler ohne Haltelienie) gibt es für Autofahrende nicht.

Das ist jetzt die sechste Variante von Ampeln für Radfahrende, die ich bisher entdeckt habe.
Fünf Ampelvarianten habe ich schon identifiziert. Und jede Variante bedeutet ja eine mentale Umstellung und einen Fahrkonzeptwechsel. An jeder Kreuzung muss ich herausfinden, wohin ich schauen muss, um das für mich gültige Signal zu entdecken.

1. Die Fußgängerampel ohne Radzeichen (auf der anderen Straßenseite (nicht mehr gültig)).
2. Die Fußgängerampel mit Radzeichen (auf der anderen Straßenseite).
3. Die kleine Radampel irgenwo an einem Masten an der Kreuzungsecke in Sichthöhe, aber nicht immer in Sichtrichtung angebracht.
4. Die große Radampel weit oben, wo Autoampeln hängen, rechts an meiner Straßenseite angebracht.
5. Der Drücker ohne Ampel, der die Ampeln für Autofahrer auf der Querstraße rot schaltet, ohne dass ich das sehen kann. (Ich sehe dann nur, dass die Autos halten.)
Siehe auch HIER ausführlicher meine Ampelsammlung mit Beispielen. 

Gar nicht zu reden von den unsichtbaren Radampeln, also denen, die man als Radfahrer gar nicht sehen kann, weil Schilder für Autos davor hängen oder weil das Sonnenlicht so darauf fällt, dass man beim besten Willen nicht sehen kann, welche Farbe gerade Licht hat.

Kommentare:

  1. Gegenüber der Leutkirchner über die B32 an der Schmiedstraße (hin zu Altstadt) hat es auch noch eine Ampel, wie ist denn dort die getaktete Reglung für Radler?
    Müssen die auch warten oder kann man dort auch bei KfZ-Rot parallel weiterfahren? Auf dem Google-Satellitenbild kann man die Lage und Funktion der Haltelinie nicht gut deuten, daher bitte vor-Ort-Wissen.

    Was sind denn das für kunstvoll gemalte Markierungen um die Einmündung des "Haidösch"?

    So oder so gut geschriebener Bericht (bis auf den Titel) der Zweiradfortbewegung von deinem Urlaubsort, danke Christine.

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    1. Das dort an der Radlerüberquerung am Haidösch ist der einige auf die Fahrbahn parallel zum Fußweg verschenkte Radstreifen, den ich kenne. Radfahrer werden aus dem Fußgängerüberweg auf die Fahrbahn geleitet. Wollte ich immer schon mal drüber schreiben, habe aber nie angehalten, um ein Foto zu machen.

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