Ampeln

Für Radfahrer gibt es sechs verschiedene Sorten von Ampeln. 

Keinem anderem Verkehrsteilnehmer mutet man so viele System- und Konzeptwechsel zu. Fußgänger haben eine Sorte von Ampeln. Autofahrer zwei, wenn man Schwarzampeln dazuzählt. Fußgänger und Autofahrer wissen immer, wo ihre Ampel steht.


1. Autoampeln


Über die Ampeln für den Autoverkehr muss ich nicht viel sagen. Sie sind hängen hoch, sind groß und haben entweder volle farbige Streuscheiben oder Lichter mit Pfeilen darauf.
Sind wir auf der Fahrbahn unterwegs, richten wir uns nach Autoampeln, wenn keine Radampel da ist. Manchmal verrenkt man sich ein bisschen den Hals beim nach oben Gucken, aber ansonsten sind sie einfach zu verstehen. Sie sind den Fahrspuren klar zugeordnet. Autoampeln hängen zwar arg hoch für einen Radler (Genickstarre), aber sie sind gut, weil ihre Grünphase so lang ist wie die der Autos (und die Rotphase auch).

2. Radfahrerampeln

Sehen wir Radfahrer allerdings irgendwo an einer Fahrbahn so eine kleine Spielzeugampel in niedriger Sichthöhe vor uns, dann gilt die für uns. Radampeln  wirken wie kleine Schwestern von Autoampeln. Sie stehen wie Autoampeln auf meiner Seite der Fahrbahn, die ich queren will. Ihre Grünphase ist meist viel kürzer als die von Autoampeln. Zuweilen blitzkurz. Und ihre Rotphasen seeeeeeeehr lang.
Manche Radampeln dienen dazu, Radfahrern an einer Autostraße ein paar Sekunden vor den Autos Grün zu geben. So kann der Radler geradeaus, bevor die Autos rechts abbiegen. Es hilft auch, das Überholungsgeröhre von Autofahrern zu vermindern. An manchen Stellen gibt so eine Ampel dem Radler Raum, vor dem Auto vom Radstreifen auf die Fahrbahn einzuschwenken. Ihre Grünphasen sind zwar oft zu kurz, aber sie sind schön und sinnvoll. 

Radampeln tauchen aber nur sehr zufällig auf, manchmal unerwartet. Sie stehen auch nicht immer in meiner Blickrichtung. Sie sind dort, wo sich zufällig gerade ein Mast befindet, an dem Schilder hängen oder andere Ampeln. Deshalb kann es auch sein, dass ich sie gar nicht mehr sehe, wenn ich an meiner Haltelinie stehe oder mich an einem der lustigen Halteringe festhalte.

Für wen gilt sie? Für mich auf der
Fahrbahn? Für den Radler
vom Gehweg rechts? 
Manchmal hängt die Radampel so, dass ich als Radler auf den ersten (lebensrettenden) Blick gar nicht so genau erkennen kann, für wen sie gilt: Für mich auf der Fahrbahn oder für einen Radweg, der vom Gehweg her kommt. Sie bedeuten unschöne Schrecksekunden. 

Weil Radampeln an sich schon so klein und niedlich sind, leuchten sie auch noch schlechter als Autoampeln, denn es leuchtet nicht die ganze Streuscheibe, sondern nur das kleine Radsymbol in ihr.
Löwentor
Manchmal steht die Sonne so ungeschickt darauf, dass man nicht erkennen kann, ob die Ampel rot ist und wann sie grün wird. Das ist ganz schlecht! Nach den Autoampeln kann ich mich hier am Löwentor nämlich nicht richten.


3. Fußgängerampeln mit/ohne Radzeichen 

Befinde ich mich nicht auf der Fahrbahn, sondern auf einem Radweg/Gehweg und ist keine Radampel sichtbar, dann wird es seit 2017 kompliziert. Denn Fußgängerampeln gelten nicht mehr für Radfahrende. Radler müssen sich nach Radlerampeln oder, sind die nicht da, nach den Ampeln für den parallelen Autoverkehr richten (die sie aber oft gar nicht sehen können). Sie dürfen - auch bei Fußgängerrot - solange über die Querstraße radeln, wie auch die Autofahrer auf Straße Grün haben. Sehr gefährlich, denn Autofahrer rechnen nicht mehr mit Radlern, falls sie sehen können, dass die Fußgänger schon Rot haben.

Anders als Auto- und Radampel steht die Fußgängerampel mit Radzeichen in der Streuscheibe aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das ist ein großer Systemwechsel.


Auf dem Foto links sieht man, hier fehlt das Radsymbol immer noch. (Ein Radler müsste hier steng genommen nicht halten. Er begibt sich aber in Lebensgefahr, wenn er das nicht tut. Man sieht  auch: Fußgängerampeln (sie stehen drüben) und Radampeln (sie stehen auf meiner Seite) werden auch gern innerhalb von ein paar Metern gemischt. Da heißt es dann: Nix verwechseln bitte, Lebensgefahr!  


Wenn Fußgängerampeln auch das Radsymbol auf der Streuscheibe haben, dann kann es mal unter dem Fußgängerzeichen stehen, mal daneben. Das sagt aber nichts darüber aus, ob es sich um einen gemischten Geh-/Radweg handelt oder um einen nach Fußgänger und Radler getrennten. Auf dem Fotorechts sieht man, dass die Ampel Mischverkehr suggeriert, während das blaue Radwegschild die Radler auf die linke Seite verweist. Umgekehrt geht natürlich auch, wie das nächste Foto zeigt.













4. Hybrid - Auto/Radampel

Und dann gibt es auch noch Radampeln, die ganz und gar aussehen wie Autoampeln. Sie sind groß und hängen hoch, haben aber ein Radsymbol in der Streuscheibe. Manchmal sind sie leicht zu entdecken, auch wenn das Sichtfeld des Radlers eher nach unten geht. Manchmal entdeckt man sie im Schildergebüsch erst, nachdem man eine Strecke mehrmals gefahren ist und sich nicht mehr auf eine unbekannte schwierige Situation konzentriert. Solche Radampeln werden auch gern von Autofahrern als ihre betrachtet, die sich regelwidrig hier aufstellen (Eberhardstr. Ausgang Tagblattturm.)

Die and der Gutenbergstraße/Schwabstraße ist so eine. Es soll Leute gegeben haben, die hier Jahrelang Slalom gefahren sind, ohne diese Ampel zu bemerken.









5. Die Ampel ohne Ampel
Degerloch, Königsträßle

Und dann gibt es noch Ampelanlagen, da haben die Radfahrer gar keine Ampel, auf die sie gucken könnten. Sie haben zwar einen Drücker, aber nirgendwo ein Lichtsignal. Das bekommen die Autofahrer auf der Querstraße. Dass ich losrasen kann, sehe ich daran, dass die Autos plötzlich anhalten.

Cannstatt


Wangen im Allgäu









6. Die Radampel in Form einer Autoampel, die wie eine Fußgängerampel auf der gegenüberliegenden Seite steht. 

So eine Ampel habe ich in Wangen im Allgäu gefunden. Sie steht an einer Abbiegespur für Autos und Lkw, wo es für uns Radfahrende auf dem Gehweg geradaus geht. Der Radverkehr hat einen Drücker, um Grün anzufordern. Weil Radler aber vom Drücker aus die für sie aufgehängte Radampel neben der Autoampel nicht mehr sehen können, steht jenseits der Fahrspur am Fahrbahnteiler noch mal eine Autoampel mit Radzeichen in den Streuscheiben, die gleichzeitig mit der Ampel über dem Drücker grün wird. Eine völlig unerwartete Situation, die nur die nicht verwirrt, die sich hier auskennen. 

7. Ampeln, an die man sich nicht halten muss.


Lindau
Sie sind extrem selten, was wir Radfahrer sehr bedauern, denn so mancher Ampelstopp, der den Autoverkehr zügelt und Fußgängern Raum schafft, wäre für Radfahrer nicht nötig. Sie sind Schmal. Sie biegen bei Rot ab, ohne den Autoverkehr zu gefährden, sie fahren hinter Fußgängern durch, ohne sie auf dem Überweg zu gefährden. Eine Ampel habe ich aber doch gefunden, die für Radler nicht gilt, obgleich sie gelten müsste. Sie steht in Lindau und regelt den Stau rund um einen Parkplatz

Sie hat ein Zusatzschild, dass ich eigentlich aus anderen Zusammenhängen kenne. Da darf ich dann mal bei Rot weiterreden.

Für Radfahrende gelten nicht nur sechs verschiedene Ampelkonzepte, sondern auch noch eine Ampelhierarchie.

1. Es gilt immer die Fahrradampel. Sie kann, klein, groß, niedrig oder hoch sein und diesseits stehen oder, mit einer Fußgängerampel kombiniert, jenseits der Fahrbahn.
2. Ist die nicht da, gilt die Autoampel (groß, oben, diesseits).
3. Reine Fußgängerampeln gelten nicht mehr.

Kommentare:

  1. Seit 2017 gilt 3. ja nicht mehr. Stattdessen die Fahrradampel (klein oder groß) mit Fahrradsymbol auf der Streuscheibe gegenüber bei Radwegfahrt. Diese kann auf der Streuscheibe auch zusätzlich ein Fußgängersymbol besitzen. Siehe auch Christines Blogeinträge im Dezember 2016 und Januar 2017.

    Stuttgart setzt dann noch mal eins drauf. Man kann die Dinger nämlich kombinieren. Das geht dann so:

    Man malt Radweg-Fragmente auf die Straße. Damit gibt es eindeutig eine sog. "Radverkehrsführung".
    (Nebenbemerkung: auf den genannten Radweg darf man nicht rauffahren wegen durchgezogener Linie, was für das Ampel-Thema aber nicht relevant ist).
    Somit gilt die Radfahrer-Ampel gegenüber und nicht die Straßenampel diesseits.

    Jetzt wird's spannend: die Radampel gegenüber hat nur Rot und Gelb, kein Grün. Eine Zeit lang zeigt sie rot, dann ist sie aus. Ab diesem Moment gilt dann offensichtlich die diesseitige Straßenampel (§ 37 Abs. 2 Nr. 6 StVO).

    Jetzt muss man hoffen, dass niemals Fahrradampel-Rot mit Straßenampel-Grün kombiniert wird. Dann muss man als Radfahrer schließlich irgendwo stehen bleiben, während die Autofahrer fahren dürfen. (Zur Erinnerung: als Radfahrer steht man noch auf der Fahrbahn, weil man auf den Radweg ja nicht auffahren durfte). Entweder erledigt man das Halten gleich an der diesseitigen Haltelinie oder mitten auf der Kreuzung vor der kleinen Fahrrad-Haltelinie. Beide Verhaltensweisen dürften für Autofahrer so überraschend kommen, dass es auf einen Unfall rausläuft.

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  2. Liebe Christine, vielen Dank für Deine übersichtliche Zusammenstellung.
    Leider ist sie noch unvollständig.
    Ob die Situation in Stuttgart von Bedeutung ist, kann ich nicht sagen.

    Busse und Straßenbahnen haben eigene Ampeln. Die sind nicht mit Farben, sondern haben einen weißen Längsstrich, einen weißen Querstrich oder einen Punkt. Wenn eine Busspur für Radfahrer freigegeben ist, dann gilt diese Ampel-Sorte auch für Radfahrer auf der Busspur (für Taxis auf der Busspur übrigens auch). Das schöne daran ist, dass sie früher auf "freie Fahrt" schalten als die normalen bunten Ampeln für die restlichen Verkehrsteilnehmer.

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