12. Oktober 2017

Park-Rowdys - Liststraße

Ich verstehe die Parknot im Stuttgarter Süden. Zu viele Einwohner haben zu viele Autos, die nachts irgendwo hin müssen: auf Gehwege und auf Radstreifen. 

Andererseits: Gehwege und Radstreifen sind nicht für Autos da. Wenn sie von Autos besetzt sind, müssen Fußgänger und Radfahrer auf der Fahrbahn drum herum.

Das kann an dieser Stelle gefährlich werden. Hier hat die Stadt die Einbahnstraße Liststraße  für Radler in Gegenrichtung freigegeben und einen Radstreifen auf die Fahrbahn gemalt. Die Linie ist durchgezogen, also darf kein Autoreifen sie überfahren. Platz zum Fahren ist genug. Nicht einmal die Parkplätze am Straßenrand mussten weggenommen werden.

Die Radspur wird zur Ecke hochgeführt, damit Radfahrer die Autos sehen, die von Rechts kommen, bevor sie selbst nach links auf die Liststraße einbiegen. Wenn dort ein Auto steht, müssen Radler über die gestrichelte Fläche und kürzen die Abbiegekurve ab. Geht vermutlich immer gut, weil Radler ja gewohnt sind, schwierige und unübersichtliche Situationen zu meistern.

Allerdings bedeutet das wieder einmal, dass Radler sich regelwidrig durchschlängeln müssen. Und dann heißt es wieder: "Radler halten sich an keine Regeln." An dieser stelle sieht man, warum das so ist. 

Es ist übrigens nicht so, dass dort nur manchmal Autos stehen, sie stehen vielmehr fast immer dort, wenn ich vorbei komme oder wenn Florian vorbei kommt. Manche Fahrzeuge stehen da sogar mehrere Tage hintereinander. Ihre Besitzer gehen nicht morgens los, um das Auto umzuparken, das sie am Vorabend in ihrer Verzweiflung auf den Radstreifen gestellt haben. Es ist ihnen egal.


Kommentare:

  1. Das scheint für Euch Stuttgarter eine echte Deadlock-Situation zu sein: Wenn der Radweg zugeparkt ist, kommen kaum "Neuradfahrer" hinzu. Das Problem, dass es ein paar Idioten gibt, die auf Radwegen parken, wird es auch mit >25% Radverkehrsanteil immer wieder geben. Allerdings kann dann davon ausgegangen werden, dass der größte Teil der Autofahrer selbst Rad fährt und entsprechend umsichtig fährt (weniger Radwegeparker an gefährlichen Stellen und bspw. Radfahrer sicher in die Fahrspuren einfädeln lassen).

    Blöd, dass dieser Grad der Rücksichtnahme am Fahrradanteil hängt.

    Vielleicht sollte man mal bei sommerlichen Feinstaub- oder Stickoxidlagen (gutes Wetter, Windstill) immer wieder mal einen Tag komplettes Fahrverbot für Privatfahrzeuge ausrufen. Ich erinnere mich noch gut an den Heilbronner Ozonversuch: Hat zwar hinsichtlich der Ozonwerte wenig gebracht, aber irgendwie kamen die Leute trotzdem zur Arbeit und viele haben festgestellt, dass Rad fahren gar nicht so schlimm ist.

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    1. Parken und halten bei euch in Leipzig keine Autos auf den Radstreifen?

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    2. Doch, "natürlich" tun sie das - insbesondere Paketdienste, Pizzaboten, Taxis. Gefühlt aber weniger als in anderen Städten wie Düsseldorf, in denen der Radverkehrsanteil im Vergleich zum PKW-Anteil deutlich geringer ist. Relevant ist in solchen Situationen, dass in der Regel der Blick nach hinten genügt, damit der Autofahrer hinter einem kurz vom Gas geht und so eine Lücke schafft, dass man als Radfahrer flüssig mitschwimmen kann. Der Autofahrer (oder die Autofahrerin) tut soetwas nämlich eher, wenn er/sie selbst Fahrrad fährt.

      Ergo: Weniger Leute zum totalen Umstieg aufs Fahrrad bewegen, sondern mehr dazu hin und wieder Rad zu fahren. Dann kennen mehr Verkehrsteilnehmer beide Perspektiven und passen besser auf. Dazu tragen aber Helm- und Warnwesteninitiativen nicht bei: Selbst wenn sie das statistische Risiko bei Vielfahrern etwas senken, haben sie in dem Moment versagt, in dem weniger Leute aufs Rad steigen.

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    3. Es muss ja auch erst einmal Radstreifen geben, gell? Ich musste das gestern denken als ich viel mit dem Auto unterwegs war: Es gibt einfach zu viele Rücksichtslose Menschen und die stellen ihre Autos so ab, dass es für sie in ihrer egozentrierten kleinen Welt praktisch ist. In "meinem Viertel" gibt es keine Radstreifen. Also stehen die Autos auf dem Gehweg, gerne in Feuergassen und wenn es das nicht hat, dann eben in zweiter Reihe auf der Straße. Leider wohnen in diesem Viertel viele Menschen, die die Dimensionen ihres Fahrzeugs so gar nicht kennen, weshalb dann keiner mehr durchkommt.

      Die Rücksichtslosigkeit ist hier keineswegs "persönlich" gegenüber vermeintlich schwächeren, diese beziehen nur alles direkt auf sich. Vielleicht ist in Stuttgart die Anzahl rücksichtsloser Verkehrsteilnehmer allgemein höner als anderswo?

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    4. In gewachsenen Städten kann man nicht verlangen weil die Fahrbahn zusätzli einen Radweg erhält, daß die Autos die diesen Raum für sich nutzten auf einmal verschwinden! So etwas ist Grünenlogik! Es soll Menschen geben die aus gesundheitlichen Gründen ihr Auto benötigen, sollen die bei einem Fahrverbot laufen oder das Taxi nehmen?

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    5. @ M. Schlenker:
      "Vielleicht sollte man mal bei sommerlichen Feinstaub- oder Stickoxidlagen (gutes Wetter, Windstill)..."

      Ich weiß nicht ob das sinnvoll ist. Feinstaub-Alarm in Stuttgart ist von Mitte Oktober bis Mitte April. Nicht im Sommer.

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  2. Warum greif denn hier die Polizei nicht durch? Ich muss doch hier den Führerschein-Verweigern auf meinem Weg ausweichen - bin ich denn kein fließender Verkehr der behindert wird und falle somit in deren Zuständigkeitsbereich?

    Aber auch welcher Vollpfosten plant denn so etwas? Wie Christine ja schon mehrfach berichtet hat, passiert durch diese Pinseleien in Stuttgart rein gar nix, da kann der/die sich mal schön selber hinstellten und die Autos mit seiner Person physisch davon abhalten sich dort hinzustellen.

    Das ist halt wieder eines der typischen Stuttgart Konzepte ein bisschen zu machen, aber ohne wirklich etwas durchzusetzen oder von Anfang an richtig zu planen!
    Wirklich schade um Stuttgart - all diese gescheiterten und schlecht durchdachten Innovationen - quasi Negativ-Vorzeigeprojekte! Vielleicht kann man es ja zur Attraktion für Planer und speziell die Verwaltung machen, so als Beispielsammlung wie es gar nicht gehen sollte.

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    1. Grins. Ja, wegen der Radler, die diese Einbahnstraße hinauffahren hätte man die Striche nicht machen müssen. Aber es besteht halt ein Sicherheitsbedürfnis bei der Stadtverwaltung, allen klar zu zeigen, wo sie fahren dürfen. Autofahrer haben es immer als sehr gefährlich empfunden, dass Radler hier hoch fahren. Der Streifen zeigt ihnen jetzt, dass es genug Platz gab und gibt. Die Kurve da oben ist kurios angelegt, allerdings eben auch so, dass Radler weniger in Gefahr geraten, wenn sie nach links abbiegen. Dass Autos bei uns so gern auf der Radinfrastruktur parken, ist ein Stuttgarter Problem und hängt nicht eigentlich mit der Radinfrastruktur zusammen. Sie parken auch auf Gehwegen, und zwar so breit, dass Fußgänger wirklich auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Autos parken in Stuttgart überall, wo keine Pfosten stehen, einfach überall. Sie fahren auch völlig ungeniert durch Fußgängerzonen uns stellen ihre Fahrzeuge dann dort irgendwo ab. (Nicht alle, aber viel zu viele!)

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  3. Für jedes Radwege- oder Fußweg-Parken sollte es konsequent einen sofort vollzogenen ganzen Tag (also 24 Stunden) Führerscheinentzug geben. Dann lernt man mal die andere Seite kennen.

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    1. Und wie sanktioniert man den rücksichtslosen Radler? Rad beschlagnahmen?

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  4. @Anonym: An dem Tag, an dem abgestellte (parkende) Fahrräder vorsätzlich illegal KFZ-Spuren blockieren, ja, an jenem Tag darfst Du Dich wieder zu Wort melden. Ansonsten einfach Bälle flach halten und mal mit Yoga probieren.

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    1. Wo kommt das denn vor? Hast Du da auch Bilder von?

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    2. ... und an dem Tag, an dem alle Radler edel, hilfreich und gut und vor allem rücksichtsvoll sind, darfst auch Du wieder mit mir sprechen. Viel Spaß beim Yoga!

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