6. Oktober 2017

Der Radfahr-Skandal

Verteufeln geht immer. So wird aus Gut ein "eigentlich schlecht". Der Radler wird in die Ecke gestellt, mit dem Gesicht zur Wand oder besser zur roten Ampel. 

Damit punktet gerade der Deutschlandfunk in seiner reißerischen Ankündigung einer Sendung, die vermutlich differenzierter läuft. "Anarchisten in Funktionskleidung", "rücksichtslose Mountainbiker auf Gehwegen" und so weiter. Die These: Radler halten sich an gar Regeln, weil sie sich für die Guten halten im gesellschaftlichen Streit über Autoabgase, Straßenlärm und Gesundheit. Wer gut ist, macht anderen ein schlechtes Gewissen, so scheint es, und das löst Zorn aus.
Die Moralbolzen auf zwei Rädern darf man dann auch mal spontan als Anarchisten im  gesellschaftlichen Arrangement zwischen Autos und Fußgängerwegen an den Pranger stellen.

Auf Radfahrer schimpfen geht immer. Läuft gut. Erfreut Autofahrer und Fußgänger, macht eine gesellschaftliche Gruppe zu Außenseitern - rücksichtslosen noch dazu - bläst zur verbalen Jagd auf eine Minderheit, kriminalisiert die Opfer der Verkehrspolitik, die sich ihre Wege suchen müssen, die man ihnen nur zögerlich bahnt.

Mich ärgert das, denn nichts gewinnt eine Gesellschaft mit polarisierenden, ausgrenzenden und skandalisierenden Diskussionen über das Verhalten von Menschen, die so leben, wie sie gerne leben wollen, ohne damit andere zu beeinträchtigen. Menschen fahren nicht aus politischen Gründen Fahrrad, sondern weil es für sie bequemer und schöner ist als ein anderes Verkehrsmittel. Dass Radfahren gesund ist und die Atemluft in Städten nicht belastet, ist ein zufälliger Nebeneffekt, den man sich bestenfalls nachträglich noch zu Gute halten kann. Damit sind diese bescheuerten Lustradler sogar eine Chance für die Stadtgesellschaft. Nutzen wir es doch, um unsere Städte ruhiger, lebendiger und sauberer zu machen. Es gibt viele, die helfen da freiwillig und aus Spaß und Freude mit, wenn man sie nur lässt.

Radfahrerende sind harmlose Zeitgenossen, sie tun niemandem weh, sie beanspruchen wenig Platz und machen nachts keinen Lärm. Doch sie erzeugen offenbar eine grausige Angst. Eine so große Angst, dass man sie dämonisiert, damit die Angst auch begründet ist. Eine leise Bewegung weg vom Auto, hin zum Fahrrad, die in Deutschland noch in den Anfängen steckt, wird schon problematisiert, bevor irgendwo irgendwelche Probleme entstanden sind. Denn mal ehrlich: Ein paar Radler zum Beispiel auf der Königstraße (wo sie nicht fahren dürfen) sind noch lange keine Problem. (Zugeaprkte Gehwege auf Schulwegen, das ist dagegen ein Problem.) Verkehrsregeln missachten alle gleichermaßen, Fußgänger, Radler und Autofahrer. Wenn Autofahrer sie missachten, dann können sie Fußgänger und Radler töten. Umgekehrt geht das nicht.

Also was? Wo ist eigentlich das Problem mit den Radfahrenden?

Nun gut, das Thema "Glück auf zwei Rädern" (ZDF-Doku, Di. 3. Okt 2017) ist laaaaangweilig. Da steckt keine Geschichte dahinter, da wallen keine Emotionen hoch. Glück? Öde! Aber "rücksichtslose Radfahrer" - "Moralapostel in Funktionskleidung" - "Rasende Radler terrorisieren Fußgänger", damit lassen sich Hassgefühle erzeugen. So kann man Feindbilder schaffen, statt Verständnis erzeugen. Outing, statt Integration. Wollen wir annehmen, dass es aus Gedankenlosigkeit geschieht, weil die Medien Skandale schöner finden als gute Entwicklungen, und nicht aus Kalkül, um die Autogesellschaft zu retten.

Die anderen Beiträge gibt es ja immerhin auch, gerne fokussiert auf die SUV-Fahrerin, wie hier über die in Blech gepresste Rücksichtslosigkeit solcher Fahrer/innen  und über ihre Gefahr als Unfallgegner, hier. Ich finde aber, es führt zu nichts, wenn wir Menschen, die bestimmte Verkehrsmittel nutzen, schnell abwerten. Es führt nur dazu, dass Menschen sich abgewertet sehen. Und daraus entsteht überhaupt nie was Gutes. Nirgendwo.




Kommentare:

  1. Schöne Bilder: gute, passende Auswahl mit Dramatik durch die Schatten oder die Fehlende Möglichkeit die Radler zu identifizieren.

    Alleinig im letzten Abschnitt (um SUV-Fahrer) könnte man noch die Hier-Verlinkung verbalisieren (wie sonst im Artikel auch) grade auf dem dem Smartphone will man doch wissen was einen erwartet ;)
    -Erwin

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    1. Servus Erwin, du scheinst ja Künstler zu sein. Das erste Bild gefällt mir auch, Gegenlicht und eingefangene Sonnenstrahlen - sehr schön. Das zweite ist komplett fehlbelichtet. Aus fotografischer Sicht ein Nichts. Das dritte lässt viel Interpretationsspielraum, um Geschichten zu erzählen. Auch schön.

      Warum erwähnst Du die fehlende Möglichkeit, die Radler zu identifizieren?

      Die Links sind auch auf einem Smartphone (Samsung A3) sehr gut zu lesen 😎

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Danke Christine, gute Abänderung der Hier-Links, jedoch anstatt 'hier über die in Blech gepresste' würde ich das umfassender so formulieren: ... die SUV-Fahrerin, wie etwa der Tagesspiegel am 19.09 mit dem Artikel 'SUV – in Blech gepresste...
      So bekommen deine Leser mehr Infos ob sich ein weitere Artikel lohnt anzuschauen, als nur mit der ersten Formulierung 'Hier'. Das erinnert dann doch etwas an Kinder, der hat aber gesagt...
      Alternativ kann man natürlich auch hochwissenschaftlich mit Fußnoten arbeiten ;-)

      -Erwin

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    4. Servus Matthias, schön das du mit dein Smartphone (der volle Produktname ist jedoch 'Galaxy A3') die verlinkten Artikel lesen kannst.
      Das ändert aber nichts daran, dass vor der Linkänderung durch Christine auch dein A3 nur 'hier' angezeigt hat. Demnach hast auch du keine Ahnung gehabt was hier verlinkt ist, erst das Anklicken offenbart den Inhalt => Katze im Sack ;)

      Warum ich es toll finde, dass man die Radler nicht identifizieren kann, ganz einfach: die Bilder sind so aufgenommen, das ein Nachträgliches Unkenntlich machen (mit Balken oder sonstigem) nicht nötig ist. Wir wollen hier ja keinen an den Pranger stellen.
      -Erwin

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  2. Guten Morgen, ihr Bilder-Experten. Ich habe das fehlbelichtete Foto (war eigentlich Absicht, um den Radler zum schwarzen Dämon zu machen) ersetzt durch ein anderes. Was denkt ihr darüber?

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    1. Ich finde das nun wirklich gelungen umgesetzt, Bildunterschriften sind nicht nötig, da es genau zum Kontext von Bikern auf Gehwegen passt.
      Ich persönlich fand das erst gewählte Bild im Grunde ganz gut, aus obig genannten Gründen.

      -Erwin

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    2. Liebe Christine, mein Kommentar galt ausschließlich diesem "Künstler", der sich als notorischer Querulant geriert und sich offensichtlich lieber an Dir abarbeitet als sich inhaltlich mit den Themen hier auseinanderzusetzen.

      Jetzt habe ich seinen Ton mal aufgenommen, auf ihn gezielt und leider dich getroffen. Tut mir aufrichtig leid.

      Bleiben wir doch bei den Inhalten. Das können wir besser. Das Nörgeln überlassen wir dem Künstler.

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    3. Lieber Matthias, schon klar. Alles gut. Ich fand's trotzdem interessant und habe jetzt wieder beide Fotos drin. 😊

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    4. Lieber Matthias, in den Kommentaren zu diesem Blog-Eintrag hat sich Erwin wertschätzend ausgedrückt. Das war keine Nörgelei. Sich mit Christines Bildsprache auseinanderzusetzen und Rückmeldung zu geben, ist meiner Meinung nach absolut angemessen in einem Blog-Eintrag, der sich mit manipulierenden Beiträgen in Rundfunk und Presse beschäftigt.

      @ Christine: Wie Du den Dialog führst, gefällt mir gut. Und Deine Bilder und Filme dokumentieren ordentlich. So viel Transparenz und Offenheit darüber, wie sie zustande gekommen sind: da sollte sich mancher Foto-Journalist eine Scheibe von abschneiden.

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  3. Jede tote rote Ampel ist eine zuviel!
    Hier ist übrigens noch der Link zur oben genannten DLF-Reportage "Cyclomania":

    http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2017/10/01/cyclomania_radfahrer_anarchisten_in_funktionskleidung_dlf_20171001_2005_90aa8a88.mp3

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  4. DIE RADFAHRER SPINNEN

    Sie treten, spucken, pöbeln. Sie rasen ohne Helm und Licht. Sie klauen uns die Straße. Sind Radfahrer wichtiger als wir Autofahrer?

    (Titelblattaufreißer der aktuellen, heute erschienen Autobild 40/2017)

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  5. Du hast es auf den Punkt gebracht: „Also was? Wo ist eigentlich das Problem mit den Radfahrenden?“ Das sollte man die christlichen und ach so liberalen und konservativen Demokraten mal täglich fragen. Was ist am Radfahren eigentlich so schlimm? Weshalb möchte man Radfahren nicht fördern oder wenigstens ermöglichen? Was ist das Teuflische am Radfahren?

    Liegt es daran, dass wir Deutschen nichts anderes können außer Autos bauen und mit den vielen Autos möglichst viel und blödsinnig herum zu rasen? Ich glaube: Nein. Aber ich fürchte, die pathologischen Ängste jener Autokraten liegen tiefer.

    Warum wehren sich die von mir im Allgemeinen sehr geschätzten konservativen Parteien gegen die Pluralität möglicher Verkehrsmittel? Wovor haben sie Angst? Dass Autos zu unserem Leben gehören und auch zu unseren Städten ist doch völlig klar. Und dass wir uns als Gesellschaft darüber freuen, dass unsere Automobilkonzerne viel Geld erwirtschaften ist doch auch völlig klar. Aber woraus speist sich die Angst vor den Radfahrenden?

    Weshalb wehren sie sich gegen die Einrichtung fahrbarer Radrouten? Wieso denken die Autofahrenden im Entweder-Oder und nicht im Sowohl-als-Auch?

    Als Autofahrer bin ich doch nicht von Radfahrern genervt, sondern von den Autofahrenden und nicht, weil sie Autos fahren, sondern weil es so viele und faktisch zu viele sind. Wäre es nicht sinnvoll und für alle ein Gewinn, die Verkehre zu verteilen und die Mobilitätsbedürfnisse auf mehrere Fahrzeugarten zu verteilen? Und dabei möchte ich betonen: Auch ein Fahrrad ist ein Fahrzeug. Und ein sehr praktisches zudem.

    Ich kann die Fahrradkritiker einfach nicht verstehen. :-)

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    1. Welche Angst? Es ist nur die Angst vor Veränderung. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wandel bedeutet, über neues nachdenken zu müssen, wenn eine Gewohnheit plötzlich nicht mehr funktioniert. Denken und ausprobieren ist anstrengend. Dabei merken viele nicht, dass die Gewohnheit, mit dem Auto auf den täglichen Wegen im Großstadtstau zu stehen meist Nerven aufreibender und damit anstrengender ist, als öfter mal das Rad zu nutzen.

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    2. Ja, Mattias, so ist es und eines möchte ich in aller Kürze noch hinzufügen. Die heutige politische und mediale Diskussion über die Radfahrerei erinnert mich an die 80er-Jahre-Debatten um die Homo-Sexualität. Aus heutiger und rückblickender Sicht erscheint es völlig absurd, irgendwelche Praktiken der Liebe, der Sexualität oder der Lebenspartnerschaften zu diskutieren oder gar zu diskriminieren. Ich fürchte, mit der gleichberechtigten Partnerschaft in der Wahl der Mobilitätsfahrzeuge sind wir heute erst an dem Punkt, an dem wir damals in den Achtzigern bei Fragen waren, die heute selbstverständlich und über das breite politische Spektrum unumstritten sind. Also: Ihr freien und christlichen und konservativen Demokraten, bewegt euch! Move your ass and keep on rolling. :-)

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  6. So, und das Highlight ist dann auch noch die Autobild.
    http://www.autobild.de/artikel/auto-bild-40-2017-1944688.html
    Einfach mal anschauen, das reicht dann schon.

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  7. Es geht um Angst und um abgeben bzw teilen. Es gibt ja nicht unendlich Platz in den Städten, der zu verteilen ist. Viele Autofahrer sehen die Straßen als ihren Besitz an. Das formuliert der Chefredakteur der Autobild krass und unverfroren. Schauen wir beispielsweise die König-Karl-Brücke an: 6 Spuren für Autos, alle mit vorschriftsmäßiger Breite und Höhe selbst für LKWs, perfekt markiert. Daneben ein Radweg dazwischengequetscht, der nicht einmal die Mindestbreite für Radwege hat und auf dem dann auch noch Schilder für den Autoverkehr aufgestellt werden.

    In den 60er und 70er Jahren waren "die Radfahrer" die sozial schwachen und Erfolglosen (die sich kein Auto kaufen konnten) ohne Selbstbewusstsein, verschüchtert und defensiv. Die ließen sich eben ins Abseits drängen ohne sich zu wehren.

    Jetzt kommen die Radfahrer zurück. Inzwischen fahren dagegen sogar selbstbewusste Manager mit dem Fahrrad zur Arbeit. High-Tech-Räder taugen als Statussymbol. Die kosten auch was und fördern das Sport-Image. In Trikot und Funktionskleidung kann man auch in der Firmenzentrale einlaufen ohne belächelt zu werden.

    Folglich beanspruchen mehr Radfahrer eine angemessene Infrastruktur und fahren auch auf Straßen, was ja erlaubt ist, wollen sich nicht nur ausbremsen lassen und nehmen in Kauf, dass auch Autofahrer mal zurückstecken müssen. Das ist für viele Autofahrer eine überraschende Erfahrung und trifft sie in einer Situation, wo sie beginnen, sich als Opfer zu fühlen, weil sie nicht mehr wie gewohnt uneingeschränkt hofiert und bevorzugt werden. Viele verkraften das gut, manche werden eben aggressiv und verteidigen sich tätlich oder "nur" mit Androhung von Prügeln etc.

    Der Umdenkprozess ist langsam und auch in der Justiz noch nicht so recht angekommen (siehe die absurd niedrigen Strafen, wenn "nur" Radfahrer die Opfer sind), dass Radfahrer eben nicht Menschen zweiter oder dritter Klasse sind.

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  8. "Verteufeln geht immer....Der Radler wird in die Ecke gestellt, mit dem Gesicht zur Wand oder besser zur roten Ampel."
    Artikel oben.

    Nun, noch vor 2,5 Monaten hier im Blog war's 'der Autofahrer'('Die uneingeschränkte Macht der Straße'):

    "Warum hassen uns die Autofahrer? Und zwar zuweilen so sehr, dass sie unseren Tod in Kauf nehmen...

    So sind die eingefleischtesten Autofahrer beispielsweise gar nicht willens, sich nach einem Radfahrer umzuschauen, wenn sie abbiegen. Sie sind ihnen egal. Und je mehr sie Radfahrer hassen, desto eher sind sie auch bereit, sie totzufahren."

    Der Autofahrer wurde zwar nicht an die Wand, aber in die Mörderecke gestellt.

    Und weiter gehts: Vor Kurzem die Autobild mit dem Aufmacher:
    "Die Radfahrer spinnen. Sie treten, spucken, pöbeln. Sie klauen uns die Straße. ..."

    In der Gesamtschau ergibt sich eine einheitliche Strategie von Grün bis Bild: Hetzt sie aufeinander. In die Schützengräben mit ihnen.

    Das Muster: 'Wir' gegen 'die'.

    Die Rettung der Präsenz der Autoindustrie in den Städten (Wo ihre Produkte nur ausnahmsweise hingehören) soll sein: Last Exit Othering.

    Eine Umfrage des ADAC Berlin unter seinen Mitgliedern ergab ein ganz anderes Bild (1.9.2016)
    "68 Prozent der Mitglieder sind für ein separates, ausgebautes Fahrradstraßennetz parallel zu Hauptverkehrsrouten. Solche Straßen dürfen mit dem Auto nur von Anwohnern befahren werden. 56 Prozent wollen dem Radverkehr mehr Flächen verschaffen."
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/umfrage-in-berlin-mitglieder-des-adac-setzen-aufs-rad/14487848.html

    Da bröckeln alte Feindschaften. Dagegen muss man doch was tun.

    "In every situation a person might fail,
    the road system should not." (Vision Zero Canada)

    "In every situation a person might fail.." Das sind wir alle. Denn unabhängig davon, welcher oder ob überhaupt ein fahrbarer Untersatz, sei es durch Müdigkeit, Abgelenktheit, Selbstüberschätzung, Gereiztheit, Unaufmerksamkeit oder Regelmissachtung bedingt, Fehler machen wir alle.

    "... the road system should not."

    Das sehen die road-user hierzulande zunehmend ebenso. Auch die Männer und ganz egal, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer.

    Mich jedenfalls freut es zu sehen, dass das soziale Miteinander und die Vernunft auch im öffentlichen Raum zunehmend eine Chance kriegen, trotz des von allen Seiten anschwellenden Bocksgesangs.

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    1. Na ja, ich sehe schon einen Unterschied zwischen wissenschaftlichen Untersuchungen (Macht der Straße basiert auf einer US-amerikanischen Dissertation) und gefühltem Wissen wie es meist beim Radlerhassen (oder Autohassen) zum Zuge kommt. Und ja, die meisten Radler/innen dürften sich Wege wünschen, wo sie den Stellungskampf mit dem Auto nicht führen müssen. Finde ich auch schöner. Nur dass beispielsweise in Stuttgart Radwege, die baulich von Fahrbahnen getrennt sind, eben auch Platz brauchen und diesen Platz den Autofahrern wegnehmen müssen. Und ja: Ich bin immer wieder erschrocken über die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft es zulassen, dass Autos den Stadtraum dominieren und Fußgänger und Radler gefährden. Gegen diese Gefährder tun wir vergleichsweise wenig. Es scheint, dass wir es über hundert Jahre Auto gelernt haben, die Toten, die Autos im Straßenverkehr erzeugen, als "Kosten" unserer Mobilität in Kauf zu nehmen und zu ignorieren. Vielleicht ist es verkehrt, aber sich sehe schon einen objektiven Unterschied in den Folgen, die er Autoverkehr für uns hat verglichen mit denen, die der Radverkehr für uns hat oder haben würde, wenn er die Dimension des Auotverkehrs (in den Städten) annehmen würde. Ich versuche, das zu benennen, nicht gefühllos und nicht ohne Betroffenheit, aber auch nicht hetzerisch und hasserfüllt.

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  9. Jetzt habe ich es verstanden. Ich bin ein Rüpelradler.
    Aus Sicht des Autofahrers sah es wohl so aus: Da fährt ein Radfahrer mit Tempo 30 in der 30er Zone. Und dann streckt er noch die Hand nach links aus um noch mehr Platz zu beanspruchen. Ich gebe Gas, will vorbeiziehen, und dann fährt der Depp plötzlich nach links und ich höre wie seine Hand auf mein heiliges Blech trifft.

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