20. September 2017

Das Zwei-Richtungs-Paradoxon

Es gibt Radel-Verbote durch Fußgängerbereiche, die nur für eine Richtung gelten. Dahinter erkenne ich übrigens kein System, sondern Gedankenlosigkeit. 

Am Riedsee in Möhringen gibt es einen Weg, der für Radfahrende gesperrt ist. Aber nur, wenn man vom Parkplatz am Restaurant kommt und Richtung Degerloch will. Er führt über eine Brücke, die abgepollert ist, weil sie  unter einem Auto zusammenbrechen würde. Die Sperrung für Radler (reiner Fußweg) leuchtet sogar ein, weil man an einem Spielplatz vorbeiradeln würde. Kommt man aber von der anderen Seite über den Feldweg, dann ist der Weg für Radler nicht gesperrt. Das Fußgängerschild fehlt.

Für Autos ist der Weg selbstverständlich gesperrt, denn Feldwege sind für Autos immer gesperrt (nur für den Wirtschaftsverkehr nicht). Man sieht an der Einbiegung aber an den Reifenspuren, dass Autos hier durchaus reinfahren, aus welchen Gründen auch immer. Und Radfahrende können den Weg am Spielplatz vorbei unbekümmert befahren, weil das Schild "Gehwag" fehlt, und weil diese Feldwege nur für den Kraftverkehr, nicht aber für Radler gesperrt sind.

Das legt die Vermutung nahe, dass das Fußgängerschild auf der Parkplatzseite eigentlich für den Autoverkehr gedacht ist. An Radfahrende hat man hier gar nicht gedacht, weshalb man die Strecke auch für Radler nicht freigegeben hat. 

So etwas gibt es häufiger. Ich kenne noch eine solche Stelle in Degerloch. Nämlich die Stadtbahn-Unterführung am Albplatz. Kommt man von der Josefstraße her, dann steht hier ein Fußgängerschild, das die Durchfahrt durch die U-Haltestelle verbietet. Kommt man aber von der anderen Seite, dann fehlt das Schild. 
Radfreigabe für den Fußgängerbereich am Alpplatz

Da in Degerloch die Radinfrastruktur sehr behelfsmäßig ist und der ganze Bereich in der Fußgängerzone Albplatz für Radler freigegeben ist (sein muss!), ist es auch der Abgang zur Durchfahrt Richtung Josefstraße. Ein Schild fehlt, dass die Radfreigabe hier aufhebt. 

Kein Wunder übrigens, dass man sich in Degerloch darüber aufregt, dass die Downhiller von der Zackehaltestelle diesen, den kürzesten Weg, hinüber wählen. Es ist ja nicht verboten. Und der Umweg über drei Fußgängerampeln ist für Ortsunkundige nicht so ohne Weiteres zu finden. 

Kommentare:

  1. Gilt nicht nur für Radverkehr. Hinter dem Wilhelmsbau in der Urbanstraße ist die Baustelle weg. Aus Richtung Landgericht ist ein Schild "Fußgängerzone,Radfahrer frei, Anlieger Haus x und y frei". Aus Richtung Charlottenstraße ist nichts. Nur ein anderer Belag. Fußgänger aus der Richtung wissen also nicht, daß Auto- und Radverkehr entgegen kommen kann. Und Radfahrer dürfen auch nur in eine Richtung fahren. Auf der Hauptradroute 2.

    Martin

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  2. Solche Situationen gibt es leder zuhauf in Stuttgart: Na ja System würde ich das Ganze nicht nennen, aber es ist ein wunderbarer Indikator des Stuttgarter Flickenteppichs in Bezug auf Fahrradinfrastruktur.
    Es wird halt zumeist nur ein Stückchen gemacht und man vergisst den Blick auf den Kontext oder lässt eine Prüfung der Anbindung gänzlich fallen.
    Damit kommt es schon mal dazu, das der Fußgängerzonenabschnitt der Königstraße mitunter zum Radweg wird und Fußgänger dort im Grunde nicht verloren haben. ;)

    Aber zu deinen Schildern der Freigabe, damit ist es für Radler in Stuttgart nicht unbedingt einfacher: denn so mancher Hinweg darf auf den Rückweg nicht mehr befahren werden.

    Interessant ist es wenn man mit den Ordnungshütern dann zurück zum jeweiligen Schild latschen muss, damit diese einsehen, dass man sich doch gemäß der StVO verhalten hat.

    Ach ja bezüglich "... Man sieht an der Einbiegung aber an den Reifenspuren, dass Autos hier durchaus reinfahren, aus welchen Gründen auch immer. ..." am Riedsee in Möhringen: Könnten diese recht breiten Radspuren die der Stadtreinigung sein, welche die Mülleimer leeren?
    Ich kenne es nur von Schlossgarten, dort sind so manche größere Wirtschaftsfahrzeuge/Lieferwagen auch nicht so spur treu und hinterlassen teils tiefe Spuren an den Kurven.

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  3. Das Chaos bei den Schildern ist vermutlich noch viel größer. Die Verantwortlichen für das Aufstellen der Schilder dürften in vielen Fällen nicht einmal nachvollziehen können, wann und warum ein Schild aufgestellt wurde ( weil z.B. keine Akten vorhanden sind) und wo überall in der Vergangenheit Schilder aufgestellt wurden.

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    1. Nun ja den Status Quo kann man relativ einfach aus der OpenStreetMap Datenbank holen.
      Die Stuttgarter OSM-Community ist in der Regel recht fix diesen Aspekt wirklichkeitsgetreu abzubilden: die Schilderstandorte, Orientierung und somit deren Geltungsrichtung - also mit allen Konsequenzen ;-)

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