11. August 2017

Der Himmel am Boden

Wie Radwege beleuchten, die durch dunkle Ecken oder Wälder führen. Wir denken derzeit beim geplanten Schnellradweg über die Römerstraße über LED-Lichter nach, die nur bei Bewegung anspringen. Es geht aber auch anders. 

Man könnte aber auch solches Material nehmen, das das Tageslicht speichert und nachts für ein paar Stunden wieder abgibt. Der Radblogger Tobias Finger hat da mal recherchiert, was es alles gibt. Im Nordpolnischen Ort Lidzbark Warminksi können Radler hundert Meter über einen Weg fahren, der tagsüber türkis glänzt und bei Dunkelheit blau leuchtet.
Das Unternehmen Strabak hat den Weg für 31.000 Euro mit eine, fluoreszierenden Leuchtstoff ausgestattet. Das Material kann, wenn es anständig beleuchtet wurde, zehn Stunden lang Licht abgeben. Es sieht nicht nur schön aus, es schützt Radler auch, weil sie besser gesehen werden und selber besser sehen. Ein solcher Radweg kostet doppelt so viel wie ein Standardradweg. Bei Eindhoven leuchtet seit drei Jahren ein Radweg von 800 Metern Länge grünlich mit Motiven von Van Goghs "Sternennacht". LED-Leuchtmittel speichern tagsüber Licht und geben es nachts wieder ab.

Weniger künstlerisch geht es in Houston zu. Eine Universität hat einen vielbefahrenen Radweg, der über eine Straßenkreuzung führt, mit fluoreszierender Farbe gestrichen. Der neongrüne Anstrich nimmt Sonnenlicht auf und strahlt im Dunkeln. Di Uni hat bei dem Radweg in Uninähe zudem das niederländische Prinzip eingeführt, das Radler sicher über Kreuzungen führt und vor Abbiegeunfällen schützt. Radweg und Radfahrer werden für abbiegende Autofahrer sichtbarer. Der Stresspegel sinkt, vermutlich, auch weil Autofahrer und Radler auf das Licht erfreut bis erstaunt reagieren. Licht ist immer ein positives Signal.

Die Bilder müsst ihr euch im Blog bei Bikecititzens anschauen, weil ich sie nicht einfach klauen kann.


Kommentare:

  1. Schön und poetisch, keine Frage.
    Und man bekommt viel Öffentlichkeit (Zeitungsartikel), wenn man 50 oder 100 Meter mit so einem Projekt veredelt.
    Ist allemal ansehnlicher als die 100 Meter grau-braunes Moos für 300.000 Euro am Neckartor ;-)
    Es wirkt blendfrei und gleichmäßig, was mir besser gefällt als einzelne zu weit auseinanderliegende Lichtkegel von Gehwegbeleuchtung, die mit ihren Hell-Dunkel-Wechseln (ähnlich dem Allee-Effekt) anstrengend ist und zu eher schlechterer Sichtbarkeit führt.

    Zu den Kosten: 15.000 Euro für 100 Meter Aufpreis gegenüber einem einfachen beleuchtungsfreiem Radweg, aha. Keine Ahnung, ob das viel ist. Was kosten denn 100 Meter herkömmliche Beleuchtung? Das sollte man als Referenz kennen. (Oder auch was 100 Meter Straßentunnel kosten).

    Dann die Frage: ist Beleuchtung grundsätzlich notwendig?

    Da spielt zu einem großen Teil das Thema herein, dass die gefühlte Sicherheit von der objektiven Gefahrenlage abweicht. Christine schreibt ja mehrfach, dass sich Frauen nachts sehr unwohl auf dem unbeleuchteten Neckartalradweg fühlen, was aber weniger mit der Unfallgefahr zu tun hat.

    Auf freier Fläche - da wo viel Licht hinkommt, um die Beleuchtung tagsüber "aufzuladen", braucht man sie nachts am wenigsten. Dunkle, schattige, (häufig dazu nass-rutschige) Ecken und Kurven, da braucht man eher Licht, da funktioniert der "Leuchtstoff-Asphalt" aber nicht besonders gut.

    Auf Stuttgart bezogen:

    Erledigt doch endlich mal die Basics und die Normausstattung entsprechend den Gesetzen und Verwaltungsvorschriften! Vor allem die Breite der Rad- und Fußwege.

    Schneidet die Bäume und Büsche zurück! Dann gefährden einem als Radfahrer die Äste nicht mehr in Augenhöhe. Die sieht man sehr schlecht, da die Fahrradbeleuchtung gar nicht so hoch scheinen darf.

    Dann kann die Geh- und Radwegbeleuchtung frei scheinen.

    Dann können die Reinigungsfahrzeuge der AWS die Wege auf kompletter Breite reinigen kann. Die Fahrer bekommen nämlich Ärger, wenn ihre Fahrzeuge zerkratzen und machen deshalb einen Bogen um den Dreck, wenn sie überhaupt einmal alle paar Monate vorbeischauen.

    Normale Fahrbahnmarkierungen wären aus meiner Sicht absolut sinnvoll. Die gehören auf ausnahmslos alle Strecken des Radroutennetzes aufgetragen. Auf breiten Landstraßen kann ich den Straßenverlauf in meinem Fahrradlichtkegel perfekt erkennen. Auf Stuttgarts Hauptradwegen muss man an vielen Stellen rätseln, wie weit man bei Gegenverkehr seitlich ausweichen kann ohne abzurutschen.

    Dem Reinigungspersonal würden die Markierungen auch helfen zu erkennen, wie breit die Wege eigentlich sind. Das ist nämlich auch ein Problem mit der Bodenbeleuchtung: die wäre in Stuttgart glatt 5 Monate im Jahr wirkungslos unter Laub und Dreck versteckt, weil im Winterhalbjahr die Radwegreinigung weitgehend ausgesetzt wird, da die Reinigungsfahrzeuge zum Schneeräumen auf den (Auto-)Straßen umgebaut werden.

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  2. Ich kann mich hier Holger nur anschließen: nette Idee, aber man sollte bloß nicht auf die Idee kommen, dass man so etwas momentan in Stuttgart umsetzen will - es gibt wie oben geschildert sehr schön geschildert dinglicheres!
    Nachher haben wir noch einen beleuchteten Belag um die gesperrten Einfahrten der Hofener Straße ;-)
    Zumal ich auf die Schnelle nichts gefunden habe zur Griffigkeit des Belages bei Nässe, es sind ja überwiegend Glasbaussteine.

    Die Bilder hättest du doch gut übernehmen können, dazu gibt es ja Pressemitteilungen (STRABAG.pl zum Leuchtradweg) - Bike Citizens haben ja unter jedem Bild die Quellengaben ;-)

    Außerdem meine ich, dass deine Beschreibung ("...LED-Leuchtmittel speichern tagsüber Licht und geben es nachts wieder ab. ...) zum Van-Gogh-Radweg falsch übernommen/recherchiert ist:
    die Beleuchtung kommt von farbigen LED (light emitting diode) folglich brauchen diese Strom und dieser kommt in der Nacht von Batterien die tagsüber von nahen oder in den Weg eingebauten Solarzellen gespeist werden.

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  3. Ja, ich stimme zu, dass wir hier Dringlicheres haben, als leuchtende Radstreifen. Wir befinden uns noch in der Radinfrastrukturaufbauphase und haben keine Zeit für nette Gadgets. Aber der Blick auf das, was möglich ist und schön, lohnt sich trotzdem, finde ich. Weil er zeigt, dass Radwege nicht immer verschmutzte Randstreifen mit rechts Gebüsch und links Autos sein müssen, auf die sich nur die hartgesottenen Radler trauen.

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  4. Ach, so ein bissle velophile Lichtkunst an zentralen Plätzen oder Kreuzungen in der City wäre durchaus demonstrativ und dekorativ. Aber ohnehin: mir henn koi Geld :-) Klar, ich stimme den Vorrednern vollständig zu: Nichts für "richtige" Radrouten, aber an bestimmten Orten zur Stadtgestaltung eventuell Nice-To-have. Keep on rolling.

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  5. Fluoreszierende Oberflächen sind ein nettes Gimmik der Stadtgestaltung aber das ersetzt doch keine Beleuchtung. Sobald ein paar Jahre Bremsstaub etc. sich auf den Radweg gesetzt hat, fluoresziert da nichts mehr. Mal abgesehen davon, was da eingesetzt wird und womöglich ausgeschwemmt wird und in die Umwelt gelangt im Umfeld des Radwges.

    Das die die Sichtbarkeit und Sicht verbessern, ist eine steile These, die man erst einmal belegen sollte. Gerade wenn man damit Bilder generiert, entsteht eine unterschiedlich helle Oberfläche. Darauf muss sich das Auge dann immer wieder neu einstellen. Das strengt an und führt zur Ermüdung und damit weniger Aufmerksamkeit. Und ist die Leuchtkraft wirklich so gut, dass diese zu einer besseren Wahrnehmung führt? Und sinkt dann die Wahrnehmung von Radverkehrsanlagen an anderer Stelle?

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  6. Es geht auch ganz einfach: im Landkreis Tübingen sind auf dem Gebiet der Stadt Rottenburg viele Radverbindungswege zwischen den Teilorten links und rechts mit normaler reflektierender Markierungsfarbe durchgehend markiert. Mit einem funktionierenden Licht am Fahrrad (das braucht es allerdings) ist der Gewinn an Über- und Weitsicht frappierend. Mehr braucht es meiner Meinung nach nicht.

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