7. November 2014

Diebstahl - Wie sein Rad sichern?

Das habe ich meinen Fachhändler des Vertrauens gefragt, Transvelo in Stuttgart. Wer sich sich ein teures Pedelec gekauft hat, will nicht, dass es geklaut wird. Der Nachteil: Gute Diebstahlsicherungen sind erstens teuer, zweitens wiegen sie einiges. 

Tatsächlich werden in Stuttgart gar nicht so viele Räder geklaut. Es gibt allerdings Diebstahls-Wellen auswärtiger professioneller Diebe. Denen muss man es nicht gar so leicht machen. Bolzenschneider sind nicht groß, und wenn man einen guten hat, dann bekommt man alle handelsüblichen Kabel-Schlösser in der Preisklasse von 15 bis 60 Euro damit auf.

Hier ein Testergebnis von 2017.  Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Schloss offen ist.

Es gibt drei Sorten von Dieben, erklärt mir der Inhaber von Transvelo Stuttgart. 

1. Den Gelegenheitsdieb: Der ist nachts unterwegs, mehr oder weniger betrunken und will sich den Heimweg mit einem Rad erleichtern. Der nimmt, was nicht abgeschlossen oder leicht zu knacken ist. Er handelt auch nicht mit sonderlich großer krimineller Energie. (Er hat keinen Bolzenschneider dabei.)

Bolzenschneider sind jedoch nicht groß und der obere der beiden auf dem Foto ist stark genug für die meisten Kabelschlösser.

2. Den Kriminellen: Der hat es auf ein schickes Markenrad abgesehen, das sich leicht verkaufen lässt. Er kappt die üblichen Kabel-Schlösser unter Umständen auch mit dem Bolzenschneider.

Die meisten Profressionellen aber versuchen, die Schlösser zu knacken, also zu picken. Und mehr als 30 Sekunden darf das nicht dauern. Dann gibt er auf. Ein ordentliches Sicherheitsschloss ist schon mal wichtig.

Ein Schloss, das einem Picker standhalten soll, darf für den Spanner und für automatische Picker keinen Ansatz bieten.

Das linke Schloss auf dem Foto ist ungesichert, das rechte auf dem Foto hat eine Sicherung gegen übliche Picksets und Pick-Automaten. Natürlich müssen die Schlüssel auch entsprechend kompliziert aufgebaut sein. (Nicht nur drei Zacken, sondern fünf wie beim Hausschlüssel.)

Übrigens, ein Zahlenschloss kriegt der Geübte in ein paar Minuten auf. Allerdings muss er auch ein paar Minuten Zeit haben.

3. Und den neidischen Nachbarn.
Der hätte das schicke Rad gern, das da immer nachts im Radständer um die Ecke steht. Er guckt genau, wann er unbeobachtet ist, und kommt dann mit geeignetem Werkzeug. Dass er ein Schloss picken kann, ist eher unwahrscheinlich. So was muss man lange üben. Aber er nimmt sich mehr Zeit als ein professioneller Dieb, um das Kabelschloss oder auch ein Faltschloss kaputt zu kriegen.

Wobei wir bei den Faltschlössern sind.

Sie haben den Nachteil, dass sie etwas unflexibel und wegen des Gewichts auch nicht sonderlich lang
sind. (Für den üblichen Bügelradständer reichen sie immer.) Dafür kriegt man sie schwer kaputt. Eine Flex macht schon ziemlich Krach und schafft auch nicht jedes Material wie Butter.

Um eine gutes von einem nur scheinbar guten Faltschloss zu unterscheiden, genügt es, beide (das billigere und das teurere) in die Hand zu nehmen. Und dann kaufen Sie NICHT das leichtere. Auf dem Foto links sieht man diverse Elemente eines solchen Schlosses. Das kurzgesägte sieht schon äußerlich nicht massiv aus, ist es auch nicht.

Und wenn die Ösen für die Verbindungsnieten aus Messing sind, statt aus Stahl, dann tut das Teil auch nur so, als sei es stark. (Linkes weißes Element ist schwach und hat nur eine Messingöse.)

Übrigens dürften Pedelecs für Profi-Diebe nicht so interessant sein. Denn wenn man ein Schloss geknackt hat, hat man als Dieb ja noch lange nicht den Schlüssel für den Akku, und man hat auch noch kein Aufladegerät. Mag sein, dass ein Dieb, der ein Pedelec haben will, zunächst nicht so weit denkt, und dann ist das Rad auch weg. Aber Profi-Dieben fällt es eher nicht zum Opfer. Die brauchen dort, wo sie ein gestohlenes Pedelec verkaufen, eine entsprechende Infrastruktur, also Aufladegeräte und Schlüssel und Schlösser für die Akkus. (Mein Fahrradhändler würde übrigens einem Kunden, den er nicht kennt, kein Aufladegerät für einen Pedelec-Akku verkaufen.)

Ich finde es ganz geschickt, dass ich an meinem Rad zwei Abschließmöglichkeiten habe. Nämlich ein fest eingebautes Hinterradschloss. Das genügt mir, wenn ich das Rad vor einem Laden stehen lasse. Und dann zusätzlich ein Ketten- oder Faltschloss vielleicht mit Zahlencode für die Orte, wo es länger steht. (Zwei gute Schlösser nacheinander muss ein Dieb erst mal knacken.)

Was übrigens nicht so wahnsinnig sinnvoll ist, sind diese Codierungen, die diverse Radclubs anbieten. Sie schützt nicht vor Diebstahl und es gibt keine zentrale Datenbank für diese Nummern. Die Polizei muss bei einem Rad, das ihr gestohlen zu sein scheint, erst zahlreiche Anbieter abfragen, was sie nicht tut.

Hingegen ist es durchaus sinnvoll, den Aufkleber des Fahrradhändlers, also beispielsweise den von Transvelo, auf dem Rad zu lassen. Denn wenn der Polizei ein Rad mit so einem Aufkleber unterkommt, das gestohlen zu sein scheint, dann fragt sie beim Händler nach. Der hat bei sich in der Datenbank die Kaufdaten des Rads und auch die entscheidende Rahmennummer. Nach Rücksprache mit dem Besitzer des Rads, kann der Händler dann der Polizei sagen: Ja, das Rad ist dem Besitzer abhanden gekommen, oder aber, der Besitzer hat es verkauft oder verschenkt.

Außerdem gibt es die App von Fahrradjäger. Da kann man sein Rad mit Fotos speichern. Wird es geklaut, alarmiert man über die App die anderen Radler, die diese App haben, und sie können Ausschau nach dem Fahrrad halten. Lebt natürlich von der Mitgliederzahl. Fahrradjäger verkauft auch Aufkleber, die den Dieb warnen. Ob's was bringt ...

Ist das Rad nun leider geklaut, hilft der Händler übrigens auch mit für die Versicherungen so wichtigen Details aus wie Rahmennummer und Kaufvertrag- und Kaufdatum aus. Es ist also durchaus sinnvoll, sich ein teures Rad in einem echten Fahrradladen zu kaufen und nicht in einem Supermarkt. Und im Fachgeschäft kann man sich auch gleich über die notwendigen Sicherungsmaßnahmen beraten lassen.


Kommentare:

  1. Einen guten Ansatz für eine zentrale Datenbank für Rahmenummern gibt es hier:
    http://www.fahrradjaeger.de
    Lt. Betreiber der Datenbank wird diese auch von der Polizei genutzt.
    Außerdem gibt es ein Aufklebersystem mit QR-Code (die Dinger gehen echt kaum vom Rahmen ab) und eine elektronische Überwachung ist auch in Planung.

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    1. Danke für den Hinweis. Und wer plant denn die elektronische Überwachung und wie würde das funktionieren?

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    2. Für die elektronische Überwachung wird noch Starthilfe benötigt. Wie es funktionieren soll, wird hier erklärt:
      https://www.startnext.de/fahrradjaeger

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  2. Effektiver Schutz geht auch mit Billigschlössern:

    http://www.spassfieber.de/funpics/fahrrad-diebstahl-schutz.jpg

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  3. Also ich konnte nur die erfahren machen, dass diese ganzen Fahrraddiebe wirklich alle Schlösser durch bekommen.
    Mir wurden in den letzten zehn Jahren schon drei Fahrräder geklaut und immer habe ich mich schwarz geärgert, dass so ein teures Schloss wieder nichts gebracht hat.
    Ich bin ja froh, dass bei meiner Anfälligkeit für Diebe noch nie bei mir eingebrochen wurde. Nun ja. Dafür habe ich in meinem Haus ja auch so eine Schliessanlage http://www.graefe-fitzal.de/evva-schliesszylinder . Die wird wohl so schnell keiner auf bekommen.

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    1. Frage: Wurden bei den Diebstählen eigentlich die Schlösser selber geknackt oder der Rest durchtrennt?

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  4. Ich habe vor gut 2 Jahren in ein gutes Schloss investiert und dieses ist bis heute nicht angerührt worden, trotzdem ich jeden Tag mit dem Rad unterwegs bin. Es handelt sich um das Granit X Plus 54 von ABUS.
    Kann ich nur empfehlen!

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  5. Hallo Christine,
    Teuer ist ja immer relativ! Gerade an dieser Stelle sollte mit Geld nicht gespart werden. Wer sein Fahrrad gerne und regelmäßig nutzt ist sicherlich auch bereit in ein richtiges Fahrradschloss zu investieren. Gemäß dem Motto: Lieber ein gutes Fahrradschloss kaufen als ein neues Fahrrad ;)
    Aber: Jede Sicherung kann mit genügend Zeit und dem passenden Werkzeug geöffnet werden.

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