Fußgänger

Er/sie ist freundlich, geduldig und ausgesprochen friedlich, aber etwas schusselig. Er/sie tritt gern beiseite, wenn ein Radler kommt, aber er sieht im Augenwinkel nur Autos, sonst nichts.

Fußgänger fühlen sich Verkehrsteilnehmern auf Rädern auch leicht unterlegen, erschrecken und weichen aus, schreien nach ihren Kindern, um sie zu retten, auch wenn wir Radler langsam tun, weil wir das Kind sehen. Fußgänger reagieren auch dort im Rettungsmodus, wo sie selbst Vorrang haben.

Aber Fußgänger sehen Radfahrer so gut wie nie. Sie sehen Radler nicht, wenn sie selbst die Straße überqueren. Sie sehen sie auch nicht, wenn Radfahrer auf dem Radwegstreifen an der Fußgängerampel ihm genau gegenüber warten. Die meisten Fußgänger sind dann auch nicht fähig auszuweichen. Denn das Überqueren einer Fußgängerampel bei Grün erzeugt  beim Fußgänger einen gewissen Stress (er muss es bei Grün schaffen), der ein flexibles Reagieren
unmöglich macht.

Ein Fußgänger erkennt so gut wie nie, wenn er auf einem Fahrradstreifen geht, wenn er auf gleicher Höhe mit dem Fußweg ist. Nicht einmal dann, wenn man ihm auf dem Rad entgegenkommt.

Hinten hat ein Fußgänger keine Augen. Er und sie rechnet auch nie damit, dass hinter ihm etwas kommt, was deutlich schneller ist als er. Fußgänger rechnen nie mit einem Angriff von hinten. Die Welt hinter ihnen ist völlig ausgeblendet, vor allem in Parks und auf Fußwegen.

Ein Fußgänger sieht nur Autos. Darauf hat ihn die Evolution vorbereitet. Er erkennt sie im Augenwinkel, er hört sie, er reagiert beinahe instinktiv. Zweiradfahrer sieht er nicht. Er kann sie auch nicht hören.

Fußgänger sind für Radfahrer die gefährlichsten, weil unberechenbarsten Verkehrsteilnehmer. Radfahrer unter Fußgänger zu mischen, gehört zu den größten Sünden einer Verkehrspolitik zur Förderung des Radverkehrs.

Kommentare:

  1. Stimmt, gerade der neu angelegte Radweg im Schlosspark (wie auf dem Bild zu sehen ist) kann eigentlich nicht noch deutlicher gekennzeichnet werden.
    Ich verzweifle jedes mal, wenn ich diesen benutzen muss und habe mich schon oft gefragt wie man es dort erreichen kann, dass die Fußgänger den Radweg auch als solchen realisieren.
    Sicher wird dieser häufig übersehen, aber es ist halt auch bequemer und kürzer für die Fußgänger diesen zu nutzen. Soweit ich weiß ist das genau so verboten wie wenn ich als Radfahrer auf dem Fußgängerweg fahre. Da habe ich im Schlosspark auch schon des öfteren Ploizisten gesehen, die die Radfahrer angehalten und zur Kasse gebeten haben, allerdings passiert das den Fußgängern nie -> Unfair da beides nicht in Ordnung ist.
    Ich finde gerade an diesem Ort sollte man auch mal eine Aktion starten, oder vielleicht reicht auch das Warten bis die ganzen Baustellen am Landtag vorüber sind, dann hat man wenigstens wieder eine Ausweichstrecke.

    Grüße aus Stuttgart,
    Andre

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  2. Der gestresste Fußgänger beim Überqueren einer grünen Fußgängerampel gerät auch dann gerne in Stress, wenn Radfahrer auf der Straße kommend ihre rote Ampel missachten und eben nicht anhalten sonderen ungerührt vor, hinter dem Fußgänger weiterfahren. Nach meinen internen Zählungen hält maximal 1 Radfahrer von 10 bei Rot an einer Fußgängermapel an. So was geht gar nicht. - Ich fahre übrigens auch immer wieder Fahrrad, bin aber überzeugter Fußgänger - nicht von der oben beschriebenen trotteligen Art, sondern quasi Berufs-Fußgänger. - Ich glaub ich mal mal nen Fußgänger-Blog :-)

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    1. Völlig richtig. Das geht gar nicht. Leider passiert es halt doch. Da setzt die Psychologie der Radler halt leider ein oder aus. Sie erleben ja leider eben auch, wie oft Autofahrer oder Fußgänger ihre Wege missachten, drauf parken oder drauf gehen und haben so das Gefühl, sie müssten nicht die einzigen sein, die sich an Regeln halten. Ich bin sehr für Regeln und fürs Dranhalten, sehe aber dass dass so ganz allgemein nicht im Trend liegt. Es gibt von allen Sorten Unverschämte. Leider. Ich nehme hie die Radler nicht in Schutz, ich versuche nur, dass wir einander besser verstehen. Und Radler müssen eben auch Fußgänger besser verstehen lernen.

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  3. Fußgänger (und Radfahrer) brauchen keinen Führerschein.
    Im Gegensatz zu Autofahrern sind sie keine staatlich geprüften Verkehrsteilnehmer.
    Fußgänger haben aber aus der Praxis gelernt: Fahrzeug-Fahrern ist verboten, Fußgänger zu überfahren. Straßen, auf denen Autos fahren, sind gefährlich, weil trotz des Verbots die Autos einfach zu schnell sind, um das Verbot einzuhalten. Wo man sich als Fußgänger aufhalten kann, befindet man sich in einem geschützten Bereich. Das ist überall - abgesehen von Auto-Straßen - , also Gehwege, verkehrsberuhigte Bereiche und was es sonst so an Verkehrsflächen-Experimenten gibt. Der Unterschied zwischen Gehweg, Gehweg mit Radfahrer-frei, kombiniertem Fuß- und Radweg ist ja sehr subtil und für Fußgänger nicht relevant. Sie dürfen dort alles tun, was sie wollen, in jede Richtung laufen, stehen bleiben, umdrehen, Smartphones bedienen usw. Sie befinden sich in einem geschützten Bereich und wissen das. Wo die Grenzen liegen: nicht bekannt. Ich wette, es gibt viele Fußgänger, die nicht wissen, dass sie "echte" Radwege gar nicht betreten dürfen.

    Radfahrer haben es schwieriger. Für sie gelten viele Regeln, manche zusätzlich und abweichend zu Autofahrern - Rechtsfahrgebot auch gegenüber Fußgängern, Abstand halten, diverse Geschwindigkeitsbeschränkungen, komplizierte Regeln und Ausnahmen an Kreuzungen und Überwegen, vor allem wenn noch Ampeln ins Spiel kommen.

    Da passen Fußgänger und Radfahrer nicht zusammen und gehört nicht zusammen. Was für ein Unfug, Verkehrsteilnehmer auf der selben Fläche zusammenzupferchen, für die gänzlich unterschiedliche Regeln gelten, die nicht aufeinander abgestimmt sind.

    Da wird man leicht ignorant, was die Regeln angeht (und kennt sie wahrscheinlich auch gar nicht im Detail) und wird zusätzlich verwirrt, weil die Verkehrsbehörden völlig konfus und widersprüchliche Schilder und Fahrbahnmarkierungen anbringen. Dann verhält man sich letztlich nach dem, was einem selbst nutzt und was man für gesunden Menschenverstand hält.

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