19. Mai 2017

Schlechte Noten für Stuttgart beim Fahrradklima-Test

Stuttgart liegt im Gesamtranking auf Platz 33 von 39 und hat von den Radfahrenden, die an der Befragung durch den ADFC teilgenommen haben, die Note 4,2 bekommen, also gerade mal ausreichend. 

Das ist sogar eine noch schlechtere Bewertung als bei der Befragung 2014. Wenn man sich die Bewertung im einzelnen anschaut, dann sieht man, dass die Radler in Stuttgart das Angebot an öffentlichen Leihrädern gut finden und sich freuen, dass viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radler freigegeben sind. Auch mit der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Befragten offenbar zufrieden. Stuttgart schneidet dagegen schlecht ab, bei der Radführung um Baustellen, beim Falschparken auf Radwegen und bei den Ampelschaltungen.


Mir macht ja das Radfahren in Stuttgart Spaß, sonst würde ich es nicht tun. Aber den Spaßfaktor haben die meisten derer, die bei der Umfrage mitgemacht haben, doch eher bei den Noten 4 und 5 angesiedelt. Und zwar, weil sie (Noten 4und 5) nicht als Verkehrsteilnehmer/innen akzeptiert werden.   Es wird zu wenig fürs Fahrradfahren geworben und in den Medien wird nicht wirklich positiv übers Radfahren berichtet. Auch hat man nicht festellen können, dass in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan worden sei (Noten 3 und 5).

Die Note 6 wählten die meisten für die Überwachung der Stadt beim Autoparken auf Radwegen (Durchschnittsnote 5) Die Durchschnittsnote 5 gab es auch für die Ampelschaltungen, die nicht auf Radfahrer abgestimmt sind, wobei die meisten hier die Note 6 vergaben. Auch Konflikte zwischen Autofahrern und Radlern werden negativ vermerkt, und zu viele Hindernisse gibt es ebenfalls auf Radrouten.

Erfreulich verhält sich die Lage in Stuttgart beim Fahrraddiebstahl (Note 3,6) und bei der Mitnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Note 3,4).

Hier noch mal der Link zur Auswertung von Stuttgart

Kommentare:

  1. Und trotz der miserablen Bewertung ist gleichzeitig die Zahl der Radfahrenden in Stuttgart fulminant gestiegen. Ich kann dies allerorten beobachten, auch in meinem Wohngebiet: War ich vor Jahren noch der einzige, der sich per Rad auf den Arbeitsweg gemacht hat, fahren hier und heutzutage um sieben Uhr in der Früh mehr Radfahrende als Automobile zur Arbeit. Zudem sehe ich in den Garagen meines Viertels ergänzend zum Auto zunehmend Fahrräder – und diese werden auch genutzt: Wenn nicht für die tägliche Pendelei, dann wenigstens für den Einkauf in der Umgebung oder das Vergnügen an einem schönen Wochenende.
    Unsere Stadt hat ein riesiges Potenzial für Radfahren und die Nachfrage nach einer angemessenen Radinfrastruktur wächst stetig und stabil. Es sind bei gleichzeitig hohen Steuereinnahmen ideale Zeiten für den Magistrat, sich jetzt und hier für die Radinfrastruktur zu engagieren. An alle Fraktionen des Gemeinderats: Befasst euch intensiv mit den Chancen des Radverkehrs und seid mutig und probiert selber das Radfahren mal aus, und sei es auch nur im Freizeit- oder Gelegenheitsverkehr. Unsere Stadt per Rad zu erobern ist großartig und wird eure Wahrnehmung und Lebensqualität im Alltag deutlich erhöhen. Es geht nicht um das Entweder-Oder zwischen Fahrrad und Auto, sondern um das Sowohl-als-Auch.
    Und eines möchte ich noch ergänzen: Fahrräder sind Gesundheitsmaschinen, Fitnessmaschinen, Mobilitätsmaschinen, Entdeckungsmaschinen und Glücksmaschinen, also klipp und klar und schlicht und einfach: Lebensmittel. Wir Radfahrenden brauchen unseren Platz und wir werden ihn erobern.

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    1. Hallo Stefan,

      ich möchte den ersten Teil deines Kommentars bestätigen und weitere Beispiele ageben.
      Die meisten Familien in meinem Bekanntenkreis legen sich anstatt eines Zweitwagens nun Pedelecs mit Kinderanhänger zu. Allerdings fallen wir alle nicht in die Schublade "Stuttgarter Schickeria" mit unseren "normalen" Jobs und Vorlieben fürs Campen.

      Ob das Werben fürs Radfahren wirklich hilft? Ich bin skeptisch!
      - Entweder man kann es in den Alltag integrieren oder nicht.
      - Entweder man kann sich vorstellen mal nass oder dreckig zu werden oder eben nicht.
      - Entweder man sieht einen gesundheitlichen Vorteil oder nicht.

      Und Stefan, zu deinem letzten Abschnitt. Unsere Kinder haben eigene Räder bekommen. Die Augen blitzten vor Freute - ich bestätige deine Formulierung "Glücksmaschinen und Entdeckermaschinen"

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  2. Esslingen hat beim Fahrradklimatest seinen schlechten Platz behauptet. Bemerkenswert: gegenüber 2014 haben 4x so viele Radler an dieser Umfrage teilgenommen. Vermutlich wegen der Wut, dass sich die Stadtverwaltung nichts für sichere Infrastruktur macht und auch beim Zukunftsthema Neckartalradschnellweg einfach nur pennt.

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