2. Januar 2017

200 Jahre Fahrrad

Das feiern wir dieses Jahr. Und Baden-Württemberg hat ganz besonderen Grund dazu, denn nicht nur das Auto, sondern auch das Fahrrad wurde hier erfunden. Wobei das Auto vom Fahrrad abstammt.

Am 12. Juni 1817 fuhr Karl Drais erstmals auf einer Laufmaschine, die wir heute Draisine nennen und als Kleinkinderräder kennen, durch Mannheim. Dieses Fahrrad hatte keine Kurbel, man schob es mit den Füßen an.


Quelle: Wikipedia gemeinfrei
Aber auch Stuttgart hat mit der Erfindung des Fahrrads zu tun. Hier gab es einen Turnlehrer, Johann Friedrich Trefz, der um 1869 ein Velociped gebaut hat. Eines davon steht im Deutschen Museum in München im Depot und wartet darauf, nach Stuttgart ins Stadtmuseum geholt zu werden. Es hat Kurbeln am Vorderrad. Er hat das Fahrrad in Stuttgart eingeführt und in seiner Turnhalle in der Böblinger Straße hat er Männern und vermutlich auch Frauen das Radfahren beigebracht. 1870 meldete er ein eigenes Fahrrad zum Patent an, das die Kurbel schon dort hat, wo wir sie heute haben.
Zeichnung des Trefz'schen Fahrrads

In Stuttgart entstanden damals überall Fahrradvereine, die aber mit dem deutsch-französischen Krieg wieder verschwanden. Radfahren galt damals als zu französisch. 

Das Benz'sche Auto geht aufs Triciclette zurück, es war ein Dreirad mit Motor. Die Feinmechanik stammte vom Fahrrad. Deshalb stammt das Auto eigentlich nicht von der Kutsche, sondern vom Fahrrad ab. Schon in den 1890er Jahren begann die Diskussion darüber, wem die Fahrbahnen gehören, dem Auto oder dem Fahrrad. Von damals rührt das Rechtsfahrgebot für Radler, wobei die praktisch in der Gosse fahren mussten. Und weil die Bremsen an den Rädern nicht so toll waren, wurde ein Fahrradverbot für Steilstrecken ausgesprochen, das aber nicht zu halten war. Die Radfahrvereine schlossen sich zusammen um Radverbote zu verhindern. Den nach Hamburg war Stuttgart die Stadt mit der größten Gruppe von Radfahrenden, die in Vereinen zusammengeschlossen waren. 

Übrigens dürfte auch der Vormarsch der Hosen für Frauen mit dem Radfahren zu tun haben. Bei Pferden gab es Damensättel, auf denen man in langen Kleidern sitzen konnte. Beim Fahrrad ging das nicht. Schon gar nicht mit Reifröcken und Korsetts. Das Ende des Rockzwangs begann. Das Radfahren interessierte Frauen damals auch sehr, war es doch eine Möglichkeit, sich individuell schnell fortzubewegen. Im 19. Jahrhundert war es auch Beweis, dass Frauen genauso gut balancieren konnten wie Männer. Es gab den Frauen ein Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen. 

Das ist übrigens noch heute ein wichtiger Aspekt des Fahrradfahrens. Es stärkt das Selbstvertrauen auch in einer Gesellschaft wie der unseren, die vor Selbstvertrauen nur so trotzt, zugleich aber auch an Verzagtheit und Fatalismus krankt. Wer sich durch eigene Muskelkraft gegen den Wind die Stadt erobert, fühlt sich viel besser, als wer sich im SUV gepanzert durch die Straßen fahren lässt. Radfahren stärkt vor allem aber auch das Selbstvertrauen und die Eigentverantwortlichkeit von Kindern, und es macht sogar besser in Mathe

In Baden-Württemberg wird das ganze Jahr gefeiert. Und am Wochenende 20./21. Mai feiern wir in Stuttgart das Fahrrad mit unseren Radaktionstagen ganz groß.


Kommentare:

  1. Wenn man mal bedenkt, dass das Grundprinzip eines Fahrrades eigentlich ganz simpel ist, ist es schon verwunderlich, dass das Fahrrad nicht schon vorher erfunden wurde. 200 Jahre sind nicht wirklich lange und ein sehr kurzer Zeitraum in der Menschheitsgeschichte. Sehr guter Beitrag, LG David.

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  2. So was fragt man sich ja immer, habe ich mich auch gefragt, warum die Menschen, sobald sie Häuser bauen konnten (Bronzezeit oder so), nicht schon Fahrräder hatten. Na gut, ohne Straßen keine Fahrräder. Erst einmal brauchte man halbwegs glatte Straßen. Aber dann gab es ja lange Zeit das Pferd als Individualvekehrsmittel. Und beim Fahrrad habe ich den Eindruck, dass es aus der Not geboren wurde, dass man etwas brauchte, was kein Heu frisst. Und eigentlich ist die Draisine doch noch recht umständlich konstruiert.

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