11. Januar 2016

Das gute kleine Chaos

Das Zusammenspiel Radler-Fußgänger funktioniert besser, wenn es keine so ganz klaren Regeln gibt, nämlich als Mischverkehr. 

Legt man Rad- und Fußspur dicht nebeneinander, dann flammt Revierverhalten auf, wenn eine Verkehrsart den Raum der anderen betritt oder befährt. Mischt man ihn, dann ärgern sich zwar manche Radler, weil sie nicht vorwärts kommen, aber es bleibt friedlich.

Der Schlossgarten verlangt Fußgängern und Radlern viel ab, ist aber sehr beliebt, auch bei Radfahrern. Am besten funktioniert es im sanften Chaos.

Auf der Baustellenbrücke (Foto oben) sind Rad- und Gehweg geteilt, was inzwischen besser, aber nicht gut funktioniert. Die Kurven für Radler sind sehr eng, und auch Fußgänger schneiden gern die Kurven. Hier flammt Ärger auf, wenn Fußgänger oder Radler die Grenze missachten.

Am Übergang zur Parkanlage sehen wir kleine Pfeile für Radfahrer. Da die Abzweige eng sind, schlängeln sich Radler hier durch Fußgänger, die sich ja selten an irgendwas halten.

Auch der Fußgänger nimmt hier den kürzesten Weg und schwenkt auf die Linie der Radfahrer ein. Interessanterweise bleibt es hier friedlich. Und zwar deshalb, weil es keine genaue Regelung gibt. Man arrangiert sich.
Das gilt auch für die umgekehrte Richtung. Wenn man auf dem Alten Reitweg hinterm Innenministerium radelt und hier zur Baustellenbrücke abbiegen muss, dann schlängelt man sich auf ganzer Wegbreite (breit ist er ja nicht) durch Fußgänger. Die treten freundlich beiseite.

Besser für die Stimmung von Fußgängern und Radfahrern sind Wege, wo die Spuren nicht getrennt werden.

Die Stimmung wäre nur dann noch besser, wenn sich Fußgänger und Radler exakt an die Regeln halten und tatsächlich nur auf dem Gehweg gehen und auf dem Radweg radeln würden.

Am konfliktträchtigsten ist übrigens dieser Radweg, der am Landtag entlang führt, und zwar deshalb, weil Fußgänger ihn überhaupt nicht achten. Das führt zu Wut-Gebimmel und Geschrei. Die Radler fluchen, die Fußgänger werden aggressiv wie immer, wenn sie sich im Unrecht befinden und schimpfen auf die Radfahrer. Dieser Radweg gehört abgeschafft. Dann arrangieren sich alle wieder friedlich.

Kommentare:

  1. Grundsätzlich läuft es aber trotz verschiedenartiger, versagender Separierungsversuche der verschiedenen Parteien immer noch so solidarisch, dass es dann doch (noch?) nicht zu ernsthaften Unfällen gekommen ist - zumindest wurde nichts darüber berichtet.

    Am besten finde ich immer noch diese Spezialanfertigung des Unfallgefahr-Schilds "Rad vs. Rad": dies meine ich ist recht einzigartig für Stuttgart (genau genommen den Schlossgarten=>Land BW). Es gibt sonst im Verkehrszeichenkatalog der StVO nur monochrome Versionen mit "Auto vs. Auto / Krad". Bei dieser Stuttgarter Version wurde sogar an die roten Blutspritzer gedacht - immerhin kindgerecht ohne die beteiligten Radler.

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  2. Ich weiss nur das die Radfahrer die Vorwärts kommen wollen den Park komplett meiden. Wenn sich dann noch alle an die Regeln halten würden, im Mischverkehr sollte der Radfahrer Schritt fahren, dann kommt man mit dem Fahrrad gar nicht mehr an, dann könnte ich auch gleich zu Fuß gehen. Der Artikel stimmt einfach nicht denn die Pendler die wirklich oft fahren sind im Park nicht mehr anzutreffen, und zwar genau wegen diesem Mischverkehr und der Brücke. Der Artikel sieht die Situation durch eine rosarote Brille.

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    1. Ich muss in zwei Punkten widersprechen: Erstens - ich will vorankommen, und DESHALB fahre ich durch den Park, und zweitens ist im Park schnell fahren (Zeichen 240).

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    2. Ich will auch vorankommen, deswegen meide ich den Park.

      Zeichen 240? Das hebelt nicht §3 StVO aus, insbesondere (2a) nicht.

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    3. ich meide den Stadtgarten auch, wenn ich schnell vorankommen will (wobei die ampelfreie Strecke von 5 km auch seinen Charme hat). Der Park ist einfach nicht gedacht für Pendler, es handelt sich meist um einen gemischten Rad-Gehweg, und da müssen Radler sich dem Tempo der Fußgänger anpassen. Parks sind generell zwar schön, aber eigentlich der Freizeitbereich der Fußgänger und nicht für Radler. Die Radler aber, die dort fahren, wissen, worauf sie sich einlassen und warum sie immer noch dort fahren. Insofern stimmt der Artikel schon.

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    4. Also nichts für Leute die in ihrem Rad ein Verkehrsmittel sehen.

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    5. Kann mir jemand eine schnellere Verbindung von der Planie zum Pragsattel morgens um 7:30 Uhr nennen als den Schlossgarten, trotz der genannten Engstellen. Ich fahre 200 Tage im Jahr die Strecke und habe noch keine schnellere Verbindung gefunden.

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    6. Vom Schlossgarten , Radweg ab Neckartor,hinter der Brücke immer Lins, Richtun Wolframstr., die hoch, dann auf dem Geh-Radweg die Heilbronner Str hoch, der Beschilerung folgen, nach den Brückn links halten. Dann kommst du beim Polizeipräsidium raus. Siehe auch Spalte rechts: Trecken. Oder such im Blog unter Stichworten Pragsattel oder Heilbronner.

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  3. Gratulation zum Artikel. Scharfsinnige Beobachtung. Und verblüffend einfache und doch hoch wirksame Konfliktlösungsvorschläge.

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